Nach dem Gesetz über die Fachhochschulen im Lande Berlin (FHSG) vom 27.11.1970 (geändert 1978) wurde am 1.4.1971 die Staatliche Ingenieurakademie für Bauwesen mit den Staatlichen Ingenieurakademien Beuth, Gauß und Gartenbau zur "Technischen Fachhochschule Berlin (TFH)" vereinigt.
In der Übergangszeit bis zum 25.5.1972 ging es vornehmlich um die Neubearbeitung des Lehrplans, die Anmeldung der jährlichen Geldmittel für den Verbrauch in den Laboren (für das Reprolabor allein 13 000 DM, allmählich aufgestockt bis 40 000 DM/Jahr), die Zuordnung der Landkartentechnik zu einem der neugebildeten 14 Fachbereiche und die Mitwirkung bei den Planungen für den Neubau. Nach einiger Diskussion wurde schließlich der Fachbereich 7: "Vermessungs- und Kartenwesen" genehmigt und die Landkartentechnik damit nicht dem Ingenieurbau zugeordnet.
Nach der Fertigstellung des Neubaus für die Baubereiche im September 1976, bezogen Reprolabor, Seminarräume und Landkartentechnik entgültig die zusätzlichen 17 500 m² der TFH Berlin.

1983 wurde der Studiengang Landkartentechnik in "Kartographie" umbenannt. Damit wurde nach der bereits inhaltlich vollzogenen Änderung auch eine Übereinstimmung mit vergleichbaren Studiengängen in der Bundesrepublik hergestellt.

Ende der 80er/Anfang der 90er zogen Datenverarbeitungsgeräte in den Alltag der Kartographie ein. Die zunehmende rechnergestützte Kartengestaltung und Prozessierung von Geodaten verdrängte weithin die analoge Erschaffung von Kartenwerken. Inzwischen verfügt jedes Labor über mehrere Rechnerarbeitsplätze.
Im Zuge der "Computerisierung" der Kartographie tat sich auch ein ganz neuer Schwerpunkt auf - die Geoinformationssysteme (GIS). Spätestens heute ist der Kartograph kein reiner "Kartenmacher" mehr, vielmehr verarbeitet und analysiert er räumliche Informationen jeglicher Art und gibt - je nach Bedarf - zum Ende eine Karte oder eine kartenverwandte Darstellung für Print- oder NonPrint-Medien aus.

Im WiSe 2005/2006 wurden alle Diplom-Studiengänge der TFH in das zweistufige System mit Bachelor- und Master-Abschlüssen überführt. Der Master-Studiengang Geodäsie und Kartographie ermöglicht den Absolventen und Absolventinnen der Bachelor-Studiengänge Vermessungswesen und Kartographie ein weiterführendes Studium. Die Studierenden entscheiden sich für einen der beiden Schwerpunkte - Geodäsie und GIS oder Kartographie und GIS.

Der Bachelor-Studiengang Kartographie zeichnet sich durch eine ausserordentliche Vielfalt an Lehrinhalten aus, die neben den kartopgraphischen Kernmodulen auch die Bereiche der Geoinformation, der Fernerkundung und Photogrammetrie, sowie der Geographie und Vermessung abdecken, stets jedoch aus dem Blickwinkel der Visualisierung von Geodaten.

>> weiterlesen: Labor für kartographische Reproduktion

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Auszugsweise zitiert aus und in Anlehnung an Hans Ferschke,
"50 Jahre kartographische Ausbildung in Berlin"
und Siegmund Schulz, "Das Kartographie-Studium an der TFH Berlin",
in "50 Jahre kartographische Ingenieur-Ausbildung in Berlin", TFH Berlin, 1985;
Bearbeitung: Martin Vigerske, Ursula Ripke

Haus Bauwesen; Quelle: "50 Jahre kartographische Ingenieur-Ausbildung in Berlin", TFH Berlin, 1985, S. 37