MASTER-STUDIENGANG ARCHITEKTUR / SS 2018

Prof. Dr. Martin Kieren / MODUL M1a

 

Bauen im Bestand — Aufgabe:

Ein Ensemble bauen — Ergänzung der Musikschule Fanny Hensel in Berlin
am Köllnischen Park — aus den Potentialen des Bestandes mit Hilfe der Entwurfsprinzipien der „Analogen Architektur“

 

Das Köllnische Gymnasium war das erste Berliner Realgymnasium. Das Gebäude

der Schule wurde 1868 in der Berliner Vorstadt Neukölln am Wasser/ Ecke Insel-/

Wallstrasze nach Plänen des Stadtbaurats Adolf Gerstenberg errichtet. Heute

befindet sich die Musikschule Fanny Hensel in dem denkmalgeschützten

Baukomplex.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gymnasiums, am anderen Ende des Köllnischen

Parks entstand um 1900 das Berliner Stadtmuseum / „Märkisches Museum“ nach Plänen des damaligen Stadtbaurates Ludwig Hoffmann (hinten links zu sehen).

 

»Es war das erste Gebäude der Welt, das speziell als Stadtmuseum konzipiert war.

Das Konzept Hoffmanns bestand darin, schon in der Architektur des Gebäudes

anzudeuten, was im Inneren gezeigt werden sollte; die Sammlungen dokumentierten

die Entwicklung der Mark Brandenburg über die Jahrhunderte hinweg, also schuf der

Architekt einen Komplex höchst unterschiedlicher Gebäudeteile, die sich auf

bestimmte Vorbilder aus verschiedenen historischen Epochen bezogen.« (Wikipedia)

 

 


Auf diesem Bild ist der gegenwärtige Rest des Köllnischen Gymnasiums zu sehen. Dieser

Rest bildet den Ausgangspunkt für unseren Entwurf, nämlich ein Gebäudeensemble aus

dem Geiste dieses Bestandes; mithin die Erweiterung und Ergänzung dieses Restes zu

einem Gebäudekomplex, der ganz bewusst Analogien sucht zum Märkischen Museum.

 

 

Die Aufgabe — und ihre Teile

 

Das Bauensemble des Museums ist an dieser Stelle stadtbildprägend. Es trägt märkische

Bildmomente in die Groszstadt. Man könnte sagen, es „fremdelt“ am Rand der ehemaligen

Altstadt zwischen den umgebenden Gebäuden, — aber es ist da. Es bildet, als Kleinod,

eine architektonische Insel im urbanen Netzwerk mit einer eigenen Atmosphäre, vor allem,

wenn man vom Park aus schaut: Backsteingotik, Kirche, Bergfried, Turm mit Walmdach …

Die Rückseite des Restes des Köllnischen Gymnasiums ist räumlich und baulich desaströs:

Schuppen, Abstellflächen, Parkplätze. Das Märk. Museum im Rücken — erstaunt und

erschrickt man angesichts dieses Chaos, dieses Mangels an Gestalt.

 

Aufgabe wird es sein, den Gebäuderest zu überführen in ein „Ensemble“, ihn zu ergänzen, zu erweitern: eine behutsame Verdichtung, eine Intervention mit den atmosphärischen Mitteln des Vorhandenen; nochmal anders: eine analoge Operation mit und aus den Potentialen des Bestandes.

 

Die erste Aufgabe besteht zunächst in der Analyse der die Reste prägenden Elemente. Wir

untersuchen diesen „Bestand“, um ihn zu (er)kennen: seine strukturellen,

typologischen, stilistischen, baukörperlichen, räumlichen, “malerischen“, ästhetischen

Elemente und Potentiale. — Denn „Bauen im Bestand“ heißt „Denken im Bestand“ — und

dies kann man nur leisten, wenn man den Bestand kennt. — Wir wollen ihn also zunächst

kennenlernen durch Annäherung. In vielerlei Hinsicht. Das Erfassen mittels Zeichnung (nicht

Computergrafik!) gehört ebenso dazu wie analytisches Ordnen.

 

Dazu gehört auch der unmittelbare bauliche Kontext, der vor allem geprägt wird — neben

dem Märk. Museum natürlich — durch das Gebäude von Max Taut gegenüber aus den

Jahren 1922/23 und aus dem Verwaltungsgebäude der ehem. AOK des Architekten Alfred

Gottheiner aus dem Jahre 1930. Auch hier darf (soll) „analog“ hingeschaut werden.

 

Die zweite Aufgabe besteht in der baulich-räumlichen Neuordnung des hinteren

Grundstücks–Areals, das wir ja hypothetisch erweitern —:

 

1. Durch die Planung resp. Anlage eines Garten-, Wege- und Bepflanzungssystems mit

neu ausgewiesenen und in den Plan des Köllnischen Parkes eingebundenen

Baugrundstücken; und

2. Durch die zunächst baulich-räumliche Ordnung und somit auch baukörperliche

Konzeption neuer Bauten auf den von uns ausgewählten resp. neu ausgewiesenen

Flächen.

 

Die dritte Aufgabe besteht dann in der „analogen“ / „altneuen“ Durcharbeitung der zu

planenden Gebäude, die gemeinsam mit dem Bestand ein Ensemble bilden sollen. Sie

sollen/ müssen für diesen Ihren Entwurf die im ersten Schritt (erste Aufgabe!) analysierten

• strukturellen und typologischen,

• stilistischen und baukörperlichen,

• räumlichen und “malerischen“ und die

• ästhetischen Elemente

verwenden … und diese dann anschlieszend

• transformieren resp. verfremden,

• interpretieren resp. manipulieren,

• verwandeln resp. synthetisieren, mithin

• stilisieren … —

 

Es geht um das „Ensemble“ und seine Atmosphäre, seine Eigenheiten, seine Finessen, seine Wirkung. Um Annäherung durch Analogien.