Projekt 2

 

Von der Urhütte zur Europäischen Stadt

 
Städtebau

Das städtebauliche Konzept ist die „Europäische Stadt“ mit gefassten Stadträumen. Das neue Ensemble ist so angeordnet, dass sich enge Gassen, gefasste Straßenzüge und große Plätze bilden. So erhalten die Schule und der Klostergarten des Grauen Klosters eine eigene Urbanität.

Das architektonische Konzept — angewendet auf das gesamte Ensemble, ist die „Urhütte“, die zwar an Laugiers Urhütte angelehnt ist aber als „Bastard“ abgewandelt worden ist. Neben dem neuen Ensemble steht der grüne Klostergarten quasi als „Leere Mitte“. Im Innern der Ruine des Grauen Klosters steht der „Raum der Stille“; die Klosterruine selbst ist umringt von einem Kolonnadengang.

Die städtebauliche Figur besteht aus drei Baukörpern, sie sind nach Funktionen getrennt. Für die bessere städtebauliche Einbindung hat das Ensemble zwei verschiedene Traufhöhen, einmal vier- und einmal fünfgeschossig. Entlang der Grunerstrasse sind die Ecken turmähnlich erhöht und greifen die Berliner Traufhöhe von 22 Metern auf. Diese „Ecktürme“ Hochpunkte reagieren auf den vorhandenen Kontext; die niedrige Traufhöhe dagegen nimmt die vorhandene der Klosterruine auf.

 

Erschließung und Grundriss

Das neue Ensemble ist nach Funktionen gegliedert: Schulhaus, Forschungshaus und Turnhalle. Das Ensemble weist als Erschließung im Erdgeschoss einen Arkadengang auf, der dem ehemaligen Kreuzgang entspricht. Der Innenhof ist dreiseitig orthogonal gefasst und bietet von jedem Standpunkt einen Blick auf die Klosterruine.

Die Übergänge von Innen und Außen sind fließend gestaltet. Es gibt einen offenen Kolonnadengang um den Klostergarten herum und einen halböffentliche Kreuzgang um den Hof der Schule herum bis hin zur geschlossenen Fassade. — Diese einem Kreuzgang analoge Erschließung findet sich in allen Geschossen wieder als Flur.

Das Grundrisskonzept ist in 3 Zonen gegliedert. Die Haupträume liegen entlang der Straße, die Nebenzonen sind als „Taschen“ ausgebildet und der Flur ist so angelegt, dass ein Blick zum Innenhof möglich wird. Der Arkadengang zwischen dem Forschungshaus und Turnhalle ist im Erdgeschoss mit Sitzbänken ausgestattet und im ersten Obergeschoss begehbar; er dient hier als Terrasse für die Schüler.

 

Fassade

Bei der Analyse der Fassaden des Grauen Klosters fielen uns die starke Vertikalität und die Pilaster auf, die gemeinsam ein kräftiges Relief der Klosterfassade ergaben. Vertikalität, Rhythmus und Relief wollen wir aufgreifen für unsere Fassade. Daraus entwickelte sich ein Fassadentyp, der von uns in drei Fassadenvariationen transformiert worden ist — und der somit auf die jeweilige Nutzung der Gebäude eingehen kann. Der Kolonnadengang bildet mit den Pfeilern und dem Architrav eine Figur, die sich auch in der Fassade abzeichnet. — Die Materialität der Fassade ist Backstein.

 

Klostergarten

Der Kolonnadengang ist nicht nur ein transitorischer Ort, sondern hat durch seine Raumtiefe ein hohe Aufenthaltsqualität; er ist in unterschiedliche Zonen gegliedert. Der Rhythmus der Kolonnade ist als Dialog zwischen Schule und Kloster zu verstehen.

 

Raum der Stille

Die Ruine des grauen Klosters strahlt Ruhe aus, deswegen ist hier der richtige Ort für den „Raum der Stille“. Das architektonische Konzept hierfür ist einerseits eine „harte Schale“ (die der Klosterruine) und andererseits — eingestellt — ein „weicher Kern“, der eigentliche „Raum der Stille“. Die Formgestalt entspricht ebenfalls der der „Urhütte“; hier jedoch ist der Giebel quasi gekappt: dieser Spalt dient dem „göttlichen Licht“, das von oben durch das Dach fallen kann. Durch die Perforation der Gebäude-Ecken wirkt die Gestalt der Urhütte „weicher“; das Licht strahlt  somit des Nachts in den Stadtraum.



Simona Capaul / Julia Zitzer

Grundriss EG im Lageplan
Grundriss EG im Lageplan
Vogelperspektive
Fassadenstudien
Ansicht Klosterstrasse
Ansicht Grunerstrasse
Klostergarten
Klosterhof
Raum der Stille