"Game On" - Lange Nacht der Wissenschaften 2015

Obwohl das PSE-Labor (bis April 2016 lautete der Name PST-Labor) zusammen mit dem AT-Labor schon seit weit über zehn Jahren regelmäßig an der LNdW teilnimmt, war dieses Jahr (2015) für uns das attraktivste und damit erfolgreichste.

Zwar wurden in der Vergangenheit primär immer die "Autonomen Mobilen Roboter" mit ihrem spezifischen Können im akademischen Bereich von uns gezeigt, Publikumsliebling bei Jung und Alt war jedoch stets der Ballfang-Roboter von Prof. Dr. Volker Sommer mit seinem omni-direktionalen Antrieb, der einem selbst abgeschossenen oder von Kindern geworfenen Luftballon hinterherjagte. Der Ballfang-Roboter hatte das, was man den Fun-Faktor nennt, und diesen sollte man, gerade bei der LNdW - so die Erfahrung -, nicht zu kurz kommen lassen, möchte man sich das vergnügte Lächeln der großen und kleinen Besucher sichern.

Mit einem neuen, im Fokus weniger akademischen Programm als in der Vergangenheit, und mit diesem Programmwechsel dieses Jahr intuitiv einer psychologischen Arbeitshypothese folgend, die besagt: "Was den Kindern gefällt, finden bestimmt auch die Erwachsenen toll", hat das PSE-Labor seine Mini-Roboter, die im Studienalltag komplizierten Algorithmen zur Roboter-Lokalisierung und -Navigation folgen, dieses Mal nicht im Tenor der "Wissenschaft" gezeigt, sondern sie wurden speziell für die Kinder, die in den vergangenen Jahren nie wirklich gebührend von uns als Besucher der LNdW bedient wurden und deshalb immer eher gelangweilt in Begleitung ihrer Eltern die Zeit rumbrachten, zu Greifhand-Robotern umgebaut und eine kleine Aufgabenstellung dazu formuliert (s.u.): 

Spielekonsole
Das Poster zeigt Brians super-coole Spielekonsole, die mit dem legendären Arkade-Steuerknüppel und den farbigen Push-Buttons dem Vintage-Look der 70er-Jahre nachempfunden wurde. Mit einem "Arduino Inside" äußerst vielseitig einsetzbar, ist diese "Game-Box" jedoch letztlich zu schwer und unhandlich geworden, als dass ein Kind, dieses Teil in den Händen haltend, noch bequem damit hätte spielen können. Schade.

In einer Ecke eines 1,50x1,50 Meter großen Holz-Labyrinths startend, sollte mit dem ferngesteuerten Greifhand-Roboter aus der gegenüber liegenden Ecke ein Bowling-Kegel mit einem aufmontierten kleinen Gefäß geholt werden, in dem sich ein Bonbon befand. Im Zeitalter von Playstation und Video-Game klingt eine solche Aufgabe trivial und vielleicht sogar ein wenig langweilig, aber nicht nur die Kinder waren begeistert, sondern auch die Eltern und Zuschauer, die die Kinder anfeuerten und applaudierten, wenn die Aufgabe endlich erfüllt war und das Bonbon in Empfang genommen wurde. Für einen Erwachsenen nur noch schwer erlernbar, war die Aufgabe in der Tat alles andere als trivial und vielmehr eine immense Herausforderung für den Ungeübten. Den Greifhand-Roboter mit dem Joystick vorwärts auf dem Weg zum Kegel vor sich hersteuernd, das ist noch relativ leicht, aber auf dem Rückweg, wenn der Roboter sich auf einen zu bewegt, kehren sich die geometrischen Verhältnisse auf der Fernbedienung um, vorwärts wird rückwärts, links wird rechts, und das ganze Unterfangen wird zu einem neuronalen Kraftakt für das Gehirn. (Einen solchen Kampf, der viel Frusttoleranz - jetzt bloß nicht weinen oder einen Tobsuchtsanfall kriegen! - auch bei den sonst wohl eher Erfolgsverwöhnten erfordern kann, zeigt das Video unten).

Besonders begeistert hat die Anwesenden ein kleiner, etwa vierjähriger Junge, dem es anfangs einfach nicht gelingen wollte, den Greifhand-Roboter erfolgreich zu steuern, und der sich deshalb für ein Spezialtraining an den von uns für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Übungsparcour begab. Nach einigen Minuten des geduldigen Übens wieder an das große Labyrinth (für die "Großen und Könner") zurückgekommen, zeigte er uns eine zügige, fehler- und ruckelfreie Roboterfahrt, die ihm sehr viel Beifall einbrachte. (Es wäre zu schön gewesen, aber leider existiert von dem Auftritt dieses Jungen kein Video.)

Ärgerlicherweise immer mit einer lästigen Warteschlange vor der Nase, die manchmal kürzer, manchmal länger war, kamen Scharen von Kindern, das erste um 17 Uhr, das letzte ging um 23.30 Uhr. Wir hatten ja gehofft, ein paar Kindern mit unserem diesjährigen Angebot zur LNdW eine Freude machen zu können, aber mit einem solchen Ansturm hatten wir nicht gerechnet.

Wir hoffen, dieses Angebot nächstes Jahr noch einmal steigern können.

Andreas Döpkens und Brian Schüler

[Unser besonderer Dank geht an Ilse Schmiedecke, Heiko Lenger und Nico Aletter, ohne die dieser Erfolg insbesondere der Abendgestaltung nicht möglich gewesen wäre. Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei Prof. Dr. Martin von Löwis, der immer dann erfolgreich mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn wir in den Vorarbeiten zur LNdW mal wieder vor anscheinend unlösbaren Softwareproblemen standen und die Roboter nicht taten, was sie tun sollten. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle das nette Verhältnis zu Prof. Dr. Volker Sommer, mit dem zusammen wir in der Vergangenheit die unzähligen LNdWen bestritten haben und von dem wir uns erhoffen, dieses auch in der Zukunft noch oft erleben zu können.]